Chairs
ZurückChairs in der Gronauer Straße 1 in Frankfurt ist ein ambitioniertes Restaurantkonzept, das sich klar von vielen klassischen Adressen der Stadt absetzt und vor allem Gäste anspricht, die auf der Suche nach kreativer Küche, entspanntem Ambiente und einer gewissen Portion Überraschung sind. Hier geht es nicht um steife Formalität, sondern um eine sehr persönliche Interpretation von Genuss, bei der Produktqualität, Saisonalität und handwerkliche Präzision im Mittelpunkt stehen.
Schon beim Eintreten fällt die unkonventionelle Gestaltung des Gastraums auf: zusammengewürfelte Stühle, bewusst im Used-Look gehalten, einfache Tische und eine lässige shabby-chic Atmosphäre. Das Interieur wirkt gewollt unperfekt, aber stimmig, und zieht ein eher junges, urbanes Publikum an, das Wert auf Inhalt statt auf Glamour legt. Wer eine klassische Fine-Dining-Inszenierung mit weißen Tischdecken sucht, wird hier nicht fündig, wer aber ein entspannteres Setting mit ernstzunehmender Küche schätzt, ist im Chairs gut aufgehoben.
Die Küche arbeitet mit einem klaren Fokus auf saisonale und überwiegend biologische Zutaten, die regelmäßig in neuen Kombinationen auf der Karte erscheinen. Das Team setzt stark auf ein Konzept, das an casual fine dining erinnert: handwerklich anspruchsvoll, aber ohne steife Förmlichkeit. Viele Gäste loben die kreative Interpretation von Klassikern – etwa modern gedachte Hausmannskost, neu interpretierte regionale Gerichte oder ungewöhnliche Desserts, die sich deutlich von Standardangeboten abheben. Durch die begrenzte Anzahl an Speisen bleibt die Küche flexibel und kann sich stärker auf Frische, Qualität und Details konzentrieren.
Ein wichtiger Baustein des Konzepts sind saisonale Menüs, häufig als Überraschungsmenü in mehreren Gängen. Gäste entscheiden sich tischweise für eine vegetarische, Fisch- oder Fleischvariante, der genaue Ablauf bleibt jedoch bis zum Servieren offen. Diese Form des Menüs erfordert Vertrauen in Küche und Service, wird aber von vielen Stammgästen als besonders reizvoll beschrieben. Wer bereit ist, sich auf neue Geschmackskombinationen einzulassen, erlebt hier einen Abend, der sich deutlich von einem klassischen à-la-carte-Besuch unterscheidet.
Im Mittelpunkt stehen moderne Umsetzungen mit Einflüssen aus der deutschen und internationalen Küche. Typisch sind Gerichte, die bekannte Aromen mit überraschenden Elementen verbinden, etwa hausgebackenes Sauerteigbrot in verschiedenen Varianten, fein abgestimmte Fischgerichte wie Lachsforelle mit saisonalen Beilagen oder neu interpretierte Klassiker wie Königsberger Klopse in zeitgemäßer Form. Die Küche versucht, vertraute Geschmäcker zu erhalten, sie aber textural und aromatisch weiterzudenken. Dadurch spricht das Angebot sowohl Gäste an, die experimentierfreudig sind, als auch diejenigen, die sich einen gewissen Wiedererkennungswert wünschen.
Besonderes Augenmerk liegt auf dem Dessertbereich. Immer wieder hervorgehoben wird das Sauerteig-Eis, das sich zu so etwas wie einem Signature-Dessert entwickelt hat. Wer Desserts schätzt, wird die Kreativität und den Mut zur Abweichung vom Gewohnten positiv wahrnehmen. Gleichzeitig gibt es auch Kritik: Einige Gäste empfinden die Dessertportionen als relativ klein im Verhältnis zum Preis. Das ist ein Punkt, den man bei der Erwartungshaltung berücksichtigen sollte, insbesondere wenn der süße Abschluss ein zentrales Element des Abends sein soll.
Das Preisniveau bewegt sich im gehobenen Bereich, wird aber von vielen Gästen als angemessen für die gebotene Qualität, Kreativität und den Aufwand bewertet. Es handelt sich nicht um ein günstiges Alltagslokal, sondern um ein Restaurant für Abende, an denen bewusst gut gegessen werden soll. Wer ein mehrgängiges Überraschungsmenü mit optionaler Weinbegleitung wählt, sollte mit einem entsprechenden Budget planen. Im Gegenzug erhält man keine Standardküche, sondern eine sehr persönlich geprägte Handschrift, die sich von vielen anderen Adressen unterscheidet.
Der Service wird vielfach als ausgesprochen aufmerksam, kompetent und herzlich beschrieben. Das Personal ist präsent, ohne aufdringlich zu wirken, und nimmt sich Zeit, Speisen und Getränke zu erläutern. Bei speziellen Rückfragen kommt nach Berichten von Gästen auch der Küchenchef persönlich an den Tisch, um Zutaten, Zubereitung oder Hintergründe zu erklären. Diese Nähe schafft Vertrauen und unterstreicht den Anspruch, dass hier mit echter Leidenschaft gekocht wird. Gleichzeitig sollte man berücksichtigen, dass das Serviceteam bei voller Auslastung stark gefordert ist, was in Stoßzeiten zu leichten Wartezeiten führen kann.
Ein weiterer Baustein des Konzepts ist die Getränkebegleitung. Das Chairs bietet eine Auswahl an Weinen und Bier, wobei insbesondere die Weinempfehlungen häufig positiv hervorgehoben werden. Die optionale Weinbegleitung zum Menü richtet sich an Gäste, die das Zusammenspiel von Speisen und Getränken schätzen und sich gerne beraten lassen. Wer lieber zurückhaltend konsumiert, kann selbstverständlich auch glasweise bestellen. Insgesamt wirkt das Angebot durchdacht und auf das kulinarische Konzept abgestimmt, ohne überladen zu sein.
Die Atmosphäre hat zwei Seiten: Viele Gäste schätzen die lebendige, dynamische Stimmung und den lockeren Umgangston, der das Chairs von klassischeren Häusern unterscheidet. Gleichzeitig fällt immer wieder auf, dass es im Gastraum sehr laut werden kann, wenn alle Plätze besetzt sind. Für gesellige Abende mit Freunden kann das ein Pluspunkt sein, für ruhige, intime Gespräche ist die Geräuschkulisse dagegen weniger ideal. Wer Wert auf eine sehr ruhige Umgebung legt, sollte dies bei der Wahl des Abends und der Erwartungen berücksichtigen.
Auch das Gebäude selbst trägt zu einem ambivalenten Gesamteindruck bei. Von außen wirkt der Eingang eher unscheinbar, einige Gäste würden schlicht daran vorbeilaufen, wenn sie das Restaurant nicht kennen. Drinnen eröffnet sich jedoch ein bewusst unkonventioneller Raum, der deutlich zeigt, dass hier der Fokus auf Küche und Atmosphäre liegt, nicht auf Fassade. Kritisch angemerkt wird, dass Teile des Eingangsbereichs – insbesondere Stufen – einen renovierungsbedürftigen Eindruck hinterlassen und als potenzielle Stolperfalle wahrgenommen werden. In dieser Hinsicht gäbe es Verbesserungspotenzial, vor allem, um den ersten Eindruck zu harmonisieren und die Sicherheit zu erhöhen.
Das Konzept mit nur einem Abendservice und zwei Zeitfenstern (Seatings) von jeweils rund zweieinhalb Stunden sorgt dafür, dass der Ablauf strukturiert bleibt und die Küche nicht überfordert wird. Gäste erhalten so ausreichend Zeit, um Menü, Getränke und Gespräche zu genießen, ohne dass der Abend gehetzt wirkt. Gleichzeitig bedeutet dieses System, dass spontane Besuche eher schwierig sind. Wer sicher einen Platz möchte, sollte rechtzeitig reservieren, was jedoch unkompliziert möglich ist. Für Kurzentschlossene oder sehr flexible Gäste kann dies als Nachteil empfunden werden.
Positiv hervorzuheben ist die klare Ausrichtung auf regionale und saisonale Produkte von lokalen Händlern. Dieses Profil spricht besonders Menschen an, die Wert auf nachhaltigen Konsum und Herkunft der Lebensmittel legen. Die konsequente Reduktion auf eine überschaubare Karte signalisiert, dass hier nicht mit einer langen Liste an Standardgerichten gearbeitet wird, sondern mit konzentrierter Auswahl. Für Gäste, die gerne aus vielen Optionen wählen, kann das zunächst ungewohnt sein, oft wird die Fokussierung aber im Nachhinein als Vorteil wahrgenommen, weil sie die Linie der Küche erkennbar macht.
Ein Aspekt, der sich ebenfalls in vielen Stimmen widerspiegelt, ist die Wirkung des Teams. Das Mitarbeiterensemble wird als jung, motiviert und ambitioniert beschrieben – mit spürbarer Lust, etwas Eigenes aufzubauen. Viele Gäste betonen, dass sie genau wegen dieser Mischung aus Professionalität und Lockerheit wiederkommen. Fehler können natürlich vorkommen, sei es eine längere Wartezeit zwischen Gängen oder eine Komponente, die geschmacklich nicht jeden trifft. In der Regel wird jedoch positiv wahrgenommen, dass Feedback ernst genommen und wertschätzend aufgenommen wird.
Für potenzielle Gäste lässt sich zusammenfassen: Chairs ist eine interessante Option für alle, die auf der Suche nach einem modernen Restaurant sind, das den Spagat zwischen ambitionierter Küche und entspanntem Setting wagt. Wer klassische, große Portionen und eine ruhige Atmosphäre erwartet, könnte sich an Lautstärke, Portionsgrößen (insbesondere bei Desserts) und Preisniveau stören. Wer hingegen Wert auf kreative Menüs, hochwertige Produkte, persönliche Betreuung und eine ungezwungene Umgebung legt, findet hier eine Adresse, die sich deutlich von vielen anderen Restaurants abhebt.
Durch die Kombination aus wechselnder Karte, Überraschungsmenüs, regionalen Zutaten und einem klar spürbaren Qualitätsanspruch ist Chairs vor allem für besondere Abende mit Freunden, Partnern oder Familie geeignet. Es eignet sich weniger als spontane Alltagswahl, dafür umso mehr als Ort, an dem bewusster Genuss im Mittelpunkt steht. Wer ein modernes Fine-Dining-Restaurant ohne steife Etikette sucht, sollte Chairs in Betracht ziehen – mit dem Wissen, dass hier Ecken und Kanten bewusst Teil des Konzepts sind und sowohl positive Überraschungen als auch kleine Kritikpunkte zum Gesamterlebnis gehören.