Kasino Frohnau (Kasinoturm)
ZurückDas Kasino Frohnau, auch als Kasinoturm bekannt, steht als markantes Wahrzeichen inmitten eines historischen Ensembles. Erbaut um 1910 von den Architekten Gustav Hart und Alfred Lesser, diente der 35 Meter hohe Turm zunächst als Wasserturm für das Bahnhofsareal und entwickelte sich schnell zu einem Treffpunkt mit Restaurant, Biergarten und Versammlungsräumen.
Architektonische Besonderheiten
Die Fassade aus Vorsatzbeton imitiert Muschelkalk und bewahrt den Jugendstil-Charme mit Elementen aus Rokoko und Renaissance. Im Inneren führen 141 Stufen zur Aussichtsplattform auf 26,5 Metern Höhe, von wo aus sich Panoramen über Wald und Stadt erstrecken. Historische Relikte wie der Wasserbehälter und Uhrwerke mit Gewichten unterstreichen die technische Vergangenheit.
Der Hirschkopf mit echtem Geweih an der Außenwand erinnert an kaiserliche Jagdtraditionen. Die Turmuhren, die zu allen Seiten die Zeit anzeigen, haben jedoch öfter versagt, was den Ruf schuf, dass in Frohnau die Zeit anders vergeht.
Gastronomische Tradition
Ursprünglich bot das Kasino Frohnau als Ausflugsrestaurant Wildgerichte und Trinksprüche an den Wänden, das Berühmtheiten wie Schauspieler anzog. Über Jahrzehnte wechselten die Konzepte von klassischer deutscher Küche zu jugoslawischer, türkischer, mexikanischer und internationaler Vielfalt.
Die Stehbierkneipe im Erdgeschoss war bei Kutschern beliebt, während obere Etagen Bars und Lounges beherbergten. Solche Vielfalt machte es zu einem lebendigen Ort, doch Wechsel führten zu Inkonsistenzen in Qualität und Atmosphäre.
Sanierung und Moderne Nutzung
Nach Jahren des Leerstands und Verfalls erwarb die Concarus Real Estate Invest GmbH das Ensemble 2015 und sanierte es bis 2018 denkmalgerecht. Neue Läden wie Supermarkt und Drogerie entstanden, Wohnungen wurden barrierefrei modernisiert.
Der Kasinoturm erhielt eine Maisonettewohnung und die Turmuhr wurde repariert. Die Sanierung bewahrte den Charakter, integrierte aber zeitgemäße Elemente, was das Ensemble vitaler machte.
Führungen und Besucherzugang
Seit Mai 2025 organisiert der Frohnauer Bürgerverein monatlich Führungen mit Kleingruppen durch den Turm, inklusive Infos zu Geschichte und Technik. Die Termine buchen sich schnell aus, da nur acht Gäste plus Begleiter pro Runde möglich sind.
Besucher schätzen den Aufstieg trotz Steigungen und enger Wendeltreppen, sehen Relikte wie Propaganda-Spuren aus NS-Zeit. Die kostenlosen Touren auf eigene Gefahr fördern lokales Engagement, bergen aber Risiken durch fehlende Fluchtwege.
Stärken des Angebots
Die Lage am Ludolfingerplatz verbindet Einkauf, Wohnen und Kultur nahtlos. Die Sanierung steigerte die Attraktivität, mit frischen Flächen für Handel und Gastronomie. Führungen wecken Interesse an der Frohnauer Identität.
- Historischer Reiz mit einzigartiger Aussicht.
- Vielfältige Nutzungsgeschichte bereichert Erzählungen.
- Ehrenamtliches Engagement des Vereins sorgt für Zugang.
Gastronomiepotenzial
Frühere Restaurants im Turm boten gemütliche Settings mit Blick auf den Platz. Die Tradition lädt zu Neueröffnungen ein, die lokale Spezialitäten mit Turmcharme verbinden könnten.
Herausforderungen und Kritikpunkte
Trotz Sanierung kämpfen die Turmuhren mit Pannen, was den Erhalt bemängelt wird. Lange war der Turm unzugänglich, was Frustration schürte – ein Aushängeschild ohne Leben.
Im Restaurant-Betrieb dominierten Wechsel und Baufälligkeit, was Stammkunden abschreckte. Heute fehlt ein fester Gastronomiebetrieb im Turm, Mieter dominieren das Erdgeschoss.
- Sicherheitsauflagen limitieren Führungsgruppen.
- Vergangener Leerstand mindert Kontinuität.
- Wartung historischer Elemente erfordert ständige Investitionen.
Zugänglichkeit und Pflege
Die 141 Stufen und Auflagen für Kinder unter 10 schließen Gruppen aus. Bauliche Einschränkungen wie Stolperstellen fordern Fitness.
Aussicht und Atmosphäre
Von der Plattform eröffnen sich Blicke auf Berliner Norden, bei Klarheit bis zum Zentrum. Die Umgebung mit Villen und Grün vermittelt Dorfatmosphäre in der Stadt.
Besucher loben die Ruhe und den Kontrast zu hektischem Berliner Leben. Dennoch wirkt der Turm manchmal verlassen, wenn keine Führung stattfindet.
Zukunftsperspektiven
Der Eigentümer Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG pflegt das Denkmal weiter. Wünsche nach einem dauerhaften Turmrestaurant oder erweitertem Aussichtsbetrieb persistieren. Der Bürgerverein drängt auf mehr Termine.
Potenzial liegt in Kombination aus Handel, Wohnen und Kultur. Ein hochwertiges Restaurant könnte den Platz beleben, wie in der Blütezeit.
Lokale Resonanz
Bewohner sehen den Turm als unverzichtbares Symbol, kritisieren aber Nutzungslücken. Positive Sanierungsbilanz überwiegt, doch Konsistenz fehlt.
Insgesamt balanciert das Kasino Frohnau Erbe und Moderne, mit Potenzial für mehr Gastronomieerlebnisse. Besucher finden hier Geschichte hautnah, gepaart mit Herausforderungen der Erhaltung.