Zwanzig23 by Lukas Jakobi
ZurückZwanzig23 by Lukas Jakobi ist ein ambitioniertes Fine-Dining-Konzept, das sich klar an Gäste richtet, die bei einem Abendessen bewusst Zeit, Aufmerksamkeit und Budget investieren möchten.
Im Mittelpunkt steht ein festes Menü mit mehreren Gängen, das als vegane und nicht-vegane Variante angeboten wird. Statt einer umfangreichen à‑la‑carte-Auswahl konzentriert sich das Team auf zwei klar strukturierte Menüs, die je nach Abend sechs bis neun Gänge umfassen und preislich im oberen Segment liegen. Wer hier reserviert, entscheidet sich bewusst für ein kulinarisches Erlebnis, das eher an ein gastronomisches Event als an ein klassisches Abendessen erinnert.
Die Küche setzt auf eine Kombination aus moderner Sterneküche und lässigem Bistro-Gefühl: hoch präzise zubereitete Gerichte, offen einsehbare Küche und ein junges Team, das sichtbar Spaß an der Arbeit hat. Viele Gäste beschreiben den Abend als „Geschmacksreise“ mit intensiven Aromen, starken Kontrasten und wiederkehrenden Überraschungsmomenten auf dem Teller. Dabei wird bewusst mit Schärfe, Säure und Texturen gespielt – ein Ansatz, der experimentierfreudige Feinschmecker anzieht, aber nicht jeden Geschmack trifft.
Küchenstil und Menükonzept
Lukas Jakobi verfolgt eine moderne, produktorientierte Küche mit Einflüssen aus nordischer, asiatischer, französischer und neuer deutscher Küche. Die Menüs „vegan“ und „nicht vegan“ werden gleichwertig behandelt, statt dass pflanzliche Optionen nur als Beilage auftreten. Das macht Zwanzig23 besonders interessant für gemischte Gruppen, in denen sowohl Veganer als auch Fleisch- und Fischesser gemeinsam essen wollen, ohne dass eine Seite sich eingeschränkt fühlt.
Typisch für das Menü sind Gerichte mit exakten Garzeiten und markanten Aromenkombinationen, etwa Hirsch, der „auf den Punkt“ serviert wird, Lachsforelle mit eigenständigem Charakter oder Meeresfrüchte mit deutlich gesetzten Würzakzenten. Immer wieder wird die handwerkliche Präzision betont: saubere Teller, klare Linien in der Anrichtung und ein roter Faden von Gang zu Gang, der das Menü strukturiert. Viele Gäste heben hervor, dass sich die Gänge aufeinander aufbauen und das Menü in sich stimmig wirkt, statt wie eine lose Folge einzelner Ideen.
Ein markantes Element ist das Konzept „Taste the Waste“, bei dem Abschnitte und Reste der Menügänge kreativ verarbeitet werden, statt im Müll zu landen. Damit unterstreicht das Restaurant seinen Anspruch an Nachhaltigkeit und eine bewusste Nutzung hochwertiger Produkte. Ein Signature-Moment, den viele Gäste erwähnen, ist das Dessert „Pommes & Milkshake“, das simpel klingt, aber in einer feinen, technisch anspruchsvollen Interpretation serviert wird und als humorvoller Abschluss eines ansonsten sehr anspruchsvollen Menüs funktioniert.
Produktqualität, Regionalität und Getränke
Die Küche arbeitet zu einem großen Teil mit regionalen Produkten, was von Gästen als wichtiger Pluspunkt wahrgenommen wird. Rund 80% der Zutaten werden als regional beschrieben; daraus entstehen Kombinationen, die dennoch international anmuten, etwa durch fermentierte Elemente, asiatische Würzungen oder nordisch inspirierte Reduktionen. Wer Wert auf Herkunft und Saison legt, findet hier also eine Adresse, die diesen Anspruch sichtbar ernst nimmt.
Parallel zum Menü bietet Zwanzig23 eine umfangreiche Weinbegleitung, die häufig gelobt, aber vereinzelt auch kritisch gesehen wird. Positiv fallen die Vielfalt der Positionen und der Wille auf, Neues zu zeigen; einzelne Gäste empfinden einige der gewählten Weine jedoch als zu süß oder nicht ideal passend zum eigenen Geschmack. Insgesamt wird der Weinkeller mit rund 300 Positionen und einer größeren Zahl offener Weine beschrieben, was Spielraum für individuelle Empfehlungen schafft, aber den Abend preislich zusätzlich nach oben treiben kann.
Neben Wein und alkoholfreien Begleitungen werden Bier und weitere Getränke angeboten, bleiben aber klar im Hintergrund des Gesamtauftritts, der sich hauptsächlich über die Menüs und die dazu passende Weinbegleitung definiert. Wer keinen Alkohol trinken möchte, sollte frühzeitig das Gespräch mit dem Service suchen, da hier durchaus Spielräume für Alternativen bestehen, aber nicht jede Kombination im Standard mitbeworben wird.
Atmosphäre, Service und Publikum
Das Ambiente von Zwanzig23 ist modern, bewusst ungezwungen und auf Nähe zum Geschehen in der offenen Küche ausgerichtet. Statt klassisch-eleganter Zurückhaltung setzt man auf einen lebhaften Raum, in dem Musik, Gespräche und das Arbeiten des Küchenteams deutlich wahrnehmbar sind. Viele Gäste schätzen diese Dynamik und beschreiben die Stimmung als locker, authentisch und frei von steifer Förmlichkeit, wie sie manch anderer Gourmetadresse anhaftet.
Gerade diese Lebendigkeit wird von anderen Gästen allerdings als Schwachpunkt erlebt. Immer wieder taucht der Hinweis auf, dass es im Lokal recht laut werden kann – sowohl durch die Musik als auch durch die vielen Mitarbeitenden, die in der offenen Küche sichtbar und hörbar arbeiten. Wer eine sehr ruhige, intime Umgebung sucht, könnte sich von der Geräuschkulisse gestört fühlen und sollte das bei der Wahl des Abends berücksichtigen.
Der Service wird überwiegend als aufmerksam, herzlich und professionell beschrieben. Mehrere Gäste betonen die respektvolle Zusammenarbeit im Team, den lockeren Tonfall und die Fähigkeit, auch anspruchsvolle Menüs verständlich zu erklären, ohne belehrend zu wirken. Lukas Jakobi selbst ist oft präsent, spricht mit Gästen, bringt einzelne Gänge persönlich und kommentiert diese mit einer Mischung aus Direktheit und Humor, die vielen als sehr sympathisch in Erinnerung bleibt.
Preisniveau und Wertigkeit
Zwanzig23 bewegt sich preislich klar im gehobenen Segment, mit Menüs im Bereich von rund 185 bis über 200 Euro pro Person, zuzüglich Getränke. Die Wahrnehmung dieses Preisniveaus fällt unterschiedlich aus: Ein großer Teil der Gäste hält die Kosten angesichts Produktqualität, Kreativität und personellen Aufwands für gerechtfertigt und spricht von einem besonderen Abend, den man sich nicht jede Woche gönnt, der aber lange in Erinnerung bleibt.
Es gibt jedoch auch Stimmen, die die Preise als zu hoch empfinden, insbesondere im Vergleich zu anderen Häusern mit ähnlichem oder höherem kulinarischem Renommee. Einzelne Gäste kritisieren, dass sowohl Menü als auch Getränke am Ende deutlich zu Buche schlagen und sehen hier Verbesserungsbedarf in der Preisgestaltung oder Transparenz. Für potenzielle Besucher bedeutet das: Wer sich für Zwanzig23 entscheidet, sollte das Budget für einen vollwertigen Abend mit Menü und Getränken bewusst einplanen und sich im Vorfeld informieren, statt sich auf eine spontane, „leichte“ Mahlzeit zu verlassen.
Stärken des Konzepts
- Ausgeprägte Profilierung als Fine-Dining-Restaurant mit klarem Menükonzept und hoher Wiedererkennbarkeit.
- Sehr präzise, kreative Küche mit mutigen Aromen und einer konsequent durchgezogenen Linie vom ersten bis zum letzten Gang.
- Gleichberechtigte vegane und nicht-vegane Menüs, was für viele gemischte Gruppen ein starkes Argument darstellt.
- Hoher Stellenwert von Regionalität und Nachhaltigkeit, unter anderem durch „Taste the Waste“ und die Nutzung von Produktresten auf hohem Niveau.
- Herzlicher, nahbarer Service mit sichtbarem Teamgeist und einem Küchenchef, der seine Gäste persönlich einbindet.
- Geeignet für Gäste, die moderne Gourmetküche mit informeller, lebendiger Atmosphäre dem klassischen „weiße Tischdecke“-Stil vorziehen.
Schwächen und Punkte, die man wissen sollte
- Hoher Preis pro Person; ein Besuch bedeutet in der Regel einen größeren finanziellen Aufwand und ist weniger für spontane, preisbewusste Abende geeignet.
- Deutlich wahrnehmbare Lautstärke durch Musik und offene Küche, was für Gäste, die absolute Ruhe bevorzugen, störend sein kann.
- Manche Gäste empfinden Teile der Weinbegleitung als zu süß oder nicht optimal abgestimmt, sodass sich ein offenes Gespräch mit dem Sommelier lohnt.
- Vereinzelt Kritik an Details im Serviceablauf und an der Abrechnung, was zeigt, dass bei der Konstanz noch Luft nach oben besteht.
- Das menügebundene Konzept lässt wenig Raum für spontane, kleine Gerichte – wer nur „eine Kleinigkeit essen“ möchte, ist hier nicht richtig.
Für wen sich Zwanzig23 besonders eignet
Zwanzig23 ist eine passende Adresse für Gäste, die moderne, kreative Haute Cuisine schätzen und bewusst einen ganzen Abend für ein Menü einplanen. Ob als Paar, in kleiner Gruppe oder als kulinarisch interessierte Runde: Wer offen für intensive Aromen, unerwartete Kombinationen und eine lebhafte Atmosphäre ist, wird hier viel Stoff für Gespräch und Genuss finden.
Auch Einsteiger in die gehobene Gastronomie fühlen sich häufig wohl, weil das Team eine ungezwungene Stimmung vermittelt und Hemmschwellen abbaut. Gäste, die klassische Stille und zurückhaltende Eleganz mit möglichst dezentem Service erwarten, sollten sich jedoch bewusst machen, dass Zwanzig23 eher für energiegeladene Abende mit Nähe zur Küche steht als für ein leises, distanziertes Luxus-Erlebnis.
Unter dem Strich präsentiert sich Zwanzig23 by Lukas Jakobi als charakterstarkes Gourmetrestaurant, das klare Kante zeigt – kulinarisch wie atmosphärisch. Potenzielle Gäste profitieren davon, wenn sie dieses Profil im Voraus kennen und sich bewusst für genau diese Art von Abend entscheiden: intensiv, laut, technisch stark und mit einem deutlichen Fokus auf Menüidee, Produktqualität und persönlicher Handschrift des Küchenchefs.